AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Sehnsucht - Einsamkeit - Was soll sich ändern?"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom Juni 2020.

 

Als Leseprobe haben wir für Sie einen Artikel aus der April-Ausgabe ausgewählt:

Die Frage nach Gender-Meetings scheint mir, Eberhard und Alkoholiker, mit dem Monatsthema, der Vierten Tradition, stark verbunden. Meiner Antwort stelle ich einen Satz des 1994 verstorbenen Philosophen Sir Karl Popper voran: „Theorien entzweien, Erfahrung eint.“

Laut Präambel sind wir Anonymen Alkoholiker eine „Gemeinschaft von Männern und Frauen, die Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen“. Das berührt unsere Gefühlszustände. Diese sind so krank wie unsere Krankheit. Die Erfahrung der Rettung aus einer lebensbedrohlichen Sucht eint uns. Aus dem Teilen unserer Erfahrungen davor und danach schöpfen wir Kraft und Hoffnung.

Junge Menschen machen andere Erfahrungen und hegen andere Hoffnungen als alte. Flüchtlinge oder behinderte Menschen erleben Gefühle und Empfindungen, die „Normalos“ fremd sind. Es entsteht meines Erachtens kein Schaden für AA als Ganzes, wenn es dafür eigene Meetings gibt. Zugleich sehe ich sie als selbstgewählte Begrenzung, denn ich mache die Erfahrung, dass ich als alter Mensch von jungen, als Deutscher von Alkoholikern aus fremden Ländern einiges lernen und auch einiges aus meiner Erfahrung mit dem Alkohol und mit der Nüchternheit vermitteln kann. Mein Stamm-Meeting begann als Gruppe in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Die Gruppe empfindet es inzwischen als Bereicherung, sich für alle Alkoholiker geöffnet zu haben.

Schadet ein Gender-Meeting AA als Ganzes? Der Begriff „Gender“ geht auf eine soziologische Theorie zurück. Sie besagt, kurz gefasst, Geschlechterdivergenzen und Geschlechterrollen seien nicht von der Natur, sondern der jeweiligen Gesellschaft geprägt worden. Darüber wird an Universitäten geforscht. Es gibt Befürworter und Gegner dieser Theorie. Sie ist eine öffentliche Streitfrage. Wollen wir uns in diese einmischen?

Ein Streitpunkt fände sich schon in der Präambel. Ist der Ausdruck „Männer und Frauen“ nicht diskriminierend? Sollte er nicht besser durch „Menschen, die gemeinsam Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen“ ersetzt werden? Ist vielleicht ein entsprechender Antrag an die GDK angebracht?

Nach meinem Dafürhalten nicht. Genau so wenig befürworte ich eigene AA-Meetings für Katholiken, Sozialdemokraten, Veganer oder Rasenmäherexperten, um ein Thema aus Beiträgen vergangener AA-DACH-Beiträge aufzugreifen. All diese theoretischen Wertorientierungen und Lebensanschauungen berühren nicht den Kern unserer Existenz, aber sie lenken von unserem Hauptzweck ab. Sie beschäftigen unseren Verstand, heilen aber weder unsere Sucht, noch bereichern sie unsere Spiritualität. Wir sind eine Gemeinschaft, deren Band die Hilfe von Mensch zu Mensch auf dem Boden gemeinsamer Erfahrung bildet, eine Gemeinschaft, die aus Liebe und Dienst lebt, nicht von einer Theorie über Alkoholismus und Geschlechterdivergenzen. Ich sehe die Gefahr der Zersplitterung, eine Bedrohung unserer Einheit, wenn wir Gender-Meetings einführten.

Theoretische Debatten führe ich im Alltag allzu oft, meist unbefriedigend. Auch aus diesem Grund stimme ich von Herzen und aus Erfahrung Poppers weiterem Satz zu: „Theorien sollen sterben, nicht Menschen oder die Menschlichkeit für eine Theorie.“

Eberhard, Bad Breisig

 

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