AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

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"Toleranz hält uns nüchtern"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom Oktober 2022.

Als Leseprobe aus dieser Ausgabe haben wir folgenden Artikel ausgewählt:

 

Toleranz

„tolerare“ = ertragen, aushalten

Mit Aushalten ist es bei mir, Ingrid, Alkoholikerin, nicht weit her! Es stimmt schon, dass innerhalb der AA viel Toleranz herrscht, die uns vielleicht wirklich nüchtern hält, sicherlich aber sorgt sie für unseren Zusammenhalt! Aushalten und Ertragen sind für meine Nerven zu aufwendig! Das kostet viel Kraft, viel Energie, oft Überwindung, sicherlich auch viel Selbstbeherrschung! Davon halte ich nicht allzu viel! Haben wir doch in unseren Leben aufgehört zu kämpfen, nicht nur gegen den Alkohol! Damit ich mich tolerant verhalte, braucht es mehr als nur die Bereitschaft, etwas oder jemanden auszuhalten.

Annehmen, wie die/der andere ist!

Schon in meinem ersten Meeting war ich von dem liebevollen Umgang der Freundinnen und Freunde miteinander beeindruckt! Das war nicht das Einzige, auch diese schonungslose Ehrlichkeit untereinander hat mir Bewunderung abgerungen! Heute weiß ich, dass diese Ehrlichkeit und dass wir einander so gut kennen, Nähe schafft. Ich spürte auch große Erleichterung über unseren gemeinsamen Nenner, eine Krankheit, die wir zum Stillstand bringen konnten. Seither lebe ich recht gut mit meinem Alkoholismus. Viele haben Krankheiten, die sie nicht beeinflussen können, da ist mir meine Trunksucht schon lieber!

Durch unsere gemeinsame Krankheit, kann ich auch die anderen Menschen im Meeting annehmen, sind wir doch alle krank! Manchmal habe ich schon den Eindruck, dass der eine oder die andere vielleicht „kränker“ sind. Das ist wohl eine „leichte Wertung“, die mir aber auch nur dann passiert, wenn ich mit mir nicht im Reinen bin, mir also so manche andere auf die Nerven fallen. Meist setzt dann meine „Barmherzigkeit“ ein und ich versuche meine „Stolpersteine“ zu verstehen. Das gelingt auch meist – da beeinflusst es mich eindeutig, dass wir an der gleichen Krankheit leiden!

Anonymität macht uns gleich!

Selbstverständlich hatte unsere Anonymität ursprünglich wahrscheinlich Schutzaufgaben, besonders für die neuen Mitglieder, aber auch für die ländliche Bevölkerung. In den Städten geht ja der einzelne eher unter während er im Dorf jederzeit auffällt. Mitglieder in AA sind diejenigen, die den Wunsch haben, mit dem Trinken aufzuhören. Da gilt nichts anderes! Die Anonymität macht uns Alkoholiker alle gleich! Da zählt nicht das Alter, nicht das Geschlecht, nicht das Einkommen oder der soziale Status, nicht  der Besitz oder die Arbeitslosenrente oder Grundversorgung, nicht die Hautfarbe, nicht die Haartracht oder Rasse, nicht die Verbrechen in der Vergangenheit, schon gar nicht die Religionszugehörigkeit. Sozusagen gilt da nur die Person, sonst gar nichts! Es ist wohltuend, in AA wirklich ich selbst sein zu können, ungeachtet meiner Vorgeschichte.

Die anderen respektieren!

Es wird in den Meetings nie erwähnt, dass jeder den anderen respektieren soll. Das ergibt sich automatisch durch das Verhalten der Menschen im Meeting. Keiner redet dem anderen drein, jeder spricht nur von sich selbst. Keiner gibt Ratschläge oder bezieht sich direkt auf eine/n seiner Vorrednerinnen/Vorredner. Es wird nicht hinterfragt, ob wirklich alle die Wahrheit sagen. Wenn es hin und wieder passiert, dass ein Freund/eine Freundin nach einem Rückfall wieder in die Meetings geht, ist jeder Anwesende nur froh, dass sie/er wieder in die Gemeinschaft gefunden hat! Und diese Ehrlichkeit, die da zum Ausdruck kommt, trägt auch jede Menge dazu bei, dass zwischen uns Nähe entsteht, die noch dadurch unterstrichen wird, dass wir die gleiche Krankheit unser eigen nennen.

Keine Wertungen!

An meinem Spind am Arbeitsplatz klebte ein Zettel „Wer urteilt, kann irren. Wer liebt, irrt nie!“ (Ebner-Eschenbach). Nach diesem Leitspruch versuche ich mich immer noch zu halten! Es ist extrem schwierig für mich, nicht zu werten! Aussehen, Rasse, Religion verleiten mich kaum zum Urteilen. Beim Verhalten muss ich mich schon in acht nehmen, um nicht zu werten. Immer wieder erkenne ich schnell, wenn jemand sich wichtigmachen muss. Sofort fällt mir auf, wenn ein Ego seinen Tribut fordert. Schnell spüre ich, wenn jemand eine Bühne braucht, um sich darzustellen. Bei Autoritäten bin ich so sensibilisiert, dass ich sofort bemerke, wenn jemand versucht, sich Seilschaften, sich eine Lobby aufzubauen Ich kann es auch gar nicht leiden, wenn jemand einen anderen als schlecht darstellt, damit er selbst besser dasteht. Ich  durchschaue Schönfärbereien und Übertreibungen flott und fange dann an, die dazu passenden Menschen einzuschätzen! Da muss ich sehr vorsichtig sein, damit ich nicht zu urteilen beginne – so entstehen in mir meist Vorurteile, die mir dann lange Zeit zu schaffen machen!

Wohlwollen macht’s möglich!

Es wäre wohl vermessen, wenn ich hier behaupte, dass ich nur mit und in Liebe tolerant sein kann. Manchmal hilft auch meine Barmherzigkeit mit. Ich denke aber schon, dass es nur so möglich ist! Jeder von Euch wird wohl Situationen kennen, dass sie/er sich viel besser mit den Mitmenschen arrangieren kann, die er/sie liebt. Auch ich kann die Charaktereigenschaften (alle!) der Freundinnen und Freunde besser annehmen, die ich sehr gerne habe und die mir näher stehen. Daher kann ich für mich den Schluss ziehen, dass Dr. Bob wirklich recht hatte, als er dieses einfache Programm für komplizierte Menschen auf einen ganz einfachen Nenner brachte: Liebe und Dienst!

 

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