AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Weisheit, Klugheit, Lebenserfahrung "
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom August 2021.

Als Leseprobe aus dieser Ausgabe haben wir folgenden Artikel ausgewählt:

Esel, Chor und Berge

Eine neue Lernerfahrung: Ich schreibe für das AA-DACH zum Thema Stolz, ich sei stolz auf zwölf Jahre Trockenheit. Ich lese im AA-DACH in den Beiträgen von anderen, sie seien nicht stolz, sondern dankbar. Ich spüre den Wunsch, mich zu rechtfertigen. Ich las aber auch über „… die Leichtigkeit, den Stolz zu rechtfertigen“. In AA lerne ich viel Wichtiges dazu.

Mein Vater sagte früher: „Der übermütige Esel tanzt auf dem Eis.“

In AA hörte ich mehrmals jemanden frei nach Konfuzius sagen: „Sehr schlaue Leute lernen aus den Fehlern von anderen, schlaue Leute lernen aus eigenen Fehlern und nicht so schlaue Leute meinen, sie wissen alles.“ In AA lerne ich: „Keep an open mind.“ Ich bin offen für Neues und lerne Lektionen, die ich vorher im Leben irgendwie verpasst oder vergessen habe.

Meine Patentante sagte mir, als ich Teenager war, sie könne Tipps fürs Leben geben, aber einige Fehler müsse jeder selber machen, um daraus zu lernen.

Bevor ich zu AA kam, war ich einmal gut zwanzig Monate abstinent. Ich wollte drei Ziele erreichen und dachte mir, das könne lange dauern. Ich erreichte die Ziele und nach Absprache mit meinem Partner und einem Freund machten wir den Sekt auf, um das Erreichte zu feiern. Später war ich nochmals (auch vor AA) für gut sechs Monate abstinent. Dann hörte ich in einem RSA-Wochenendkurs (Responsible Service of Alcohol -Verantwortungsvolle Ausgabe von Alkohol), der für einen Job im Alkoholladen notwendig war, wie viel ein Mann und eine Frau an Alkohol täglich/wöchentlich trinken dürfen, um im gesunden Rahmen zu sein. Mit dem Plan, diesen Rahmen einzuhalten, ging es wieder los. Dann kam ich nach ein paar Tagen Abstinenz zu AA und bin seither trocken. Ich lernte aus meinen Erfahrungen, die ich gemacht hatte. Ich lerne auch von anderen in AA, die sagen, der Alkoholismus macht während der Abstinenz im Hintergrund „Liegestütze“. Sie sagten, nach einem Rückfall ginge es schnell da weiter, wo sie kurz vor der Abstinenz aufgehört hatten. Eine gefährliche Sache.

Vor Kurzem ging es in einem Meeting um den Sechsten Schritt, der den Erwachsenen vom Kind unterscheidet. Dabei merkte ich, dass ich mich davor scheue, erwachsen zu sein/werden, sondern lieber weiter wie Pippi Langstrumpf die Welt erlebe. Ich habe die Rechte einer erwachsenen Frau in Deutschland, aber komme mit den Pflichten und der Verantwortung nicht klar. Das machte mich selbstmörderisch. Ich habe Wege gefunden, wie ich einigermaßen ruhig leben kann, vor allem mit AA, Therapie, Schreiben und dem weiteren Vermeiden von Situationen, aus denen ich gelernt habe: Ich habe es x-mal probiert, aber es hat nicht geklappt.

Vielleicht werden einige im AA-DACH das geflügelte Wort kennen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Im Singkreis vom Seniorenheim lernte ich etwas Gutes dazu: beim Singen gleichzeitig anderen zuzuhören und die Stimmlage entsprechend anzupassen. Meine Töne wurden besser. Später sprang ich ein, um den Singkreis ehrenamtlich zu leiten. Ich bat zwei gute Sängerinnen, jeweils das kommende Lied anzustimmen.

Die Lernerfahrung vom AA-DACH zum Thema Stolz hat mir gezeigt zu überlegen, was andere schreiben werden. Da greift der Slogan „Think, think, think“ (nicht das zwanghafte Grübeln, sondern erst mal nachzudenken oder weiterzudenken). Also statt hier meine persönliche Erfahrung für mich entlastend loszuposaunen, kann ich (vorsichtig) schauen, wie meine Stimme in diesen Chor passt und wie ich möglichst sinnvoll etwas dazu beitragen kann.

Auf dem Banner mit den Slogans sah ich früher ganz unten „By the grace of God“ („Mit Gottes Gnade“). Ich wusste nicht, was damit gemeint war. Das Lesen der Beiträge der anderen zum Thema Stolz machte es mir nochmal deutlich: dank der Höheren Macht (Gott, wie wir ihn verstehen, das Schicksal oder was Gott ist) läuft das Leben so, wie es läuft. Ich kann versuchen, stets nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Ich weiß, dass ich unbewusst oder aus Versehen schon genug Fehler mache, da kann ich schauen, dass ich im bewussten Bereich möglichst das Richtige tue und sage: „Progress, not perfection“ („Fortschritt statt Perfektion“). In AA hörte ich: „Gott kann Berge versetzen, aber bring eine Schaufel.“ Dabei lernte ich auch, im blinden Eifer nicht zu viel zu schaufeln, damit ich den Berg nicht einmal hin- und dann wild und ungewollt wieder zurückschaufle. Ich lerne, auch mal Pausen zu machen, vielleicht mal hochzugucken und zu sehen, dass der Berg, an dem ich gerade mitschaufle, schon versetzt ist. Auf zum nächsten Berg!

Sonja, Itzehoe

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