AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Was ist mir AA wert?"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom Juli 2022.

Als Leseprobe aus dieser Ausgabe haben wir folgenden Artikel ausgewählt:

Preis und Wert

Als Alkoholiker habe ich, Eberhard, einen hohen Preis für meine Krankheit bezahlt. Meine Gesundheit hatte ich ruiniert, mein Eheversprechen gebrochen, oft mein letztes Geld am Monatsende in den billigsten Fusel gesteckt. Ich habe zwar mein Studium beendet, aber nicht alle meine Talente entfaltet und mich jahrelang mit Gelegenheitsanstellungen über Wasser gehalten. Mein Leben, meine Gesundheit, meine Karriere galten mir wenig. Meinen Selbstwert schätzte ich gering.

Das Monatsthema lautet „Was ist mir AA wert?“ Was mir eine Sache wert ist, kann sich am Preis bemessen, den ich dafür zu zahlen bereit bin, muss aber nicht. Ein Preis verwandelt einen Wert in eine wirtschaftlich berechenbare Sache. Ich bin ein ausgemachter Freund von solchen Umrechnungen, war das schon zu meiner nassen Zeit, und führe ein Haushaltsbuch. Daher kann ich ungefähr ausrechnen, wieviel Geld ich in meiner Trinkerzeit für Alkohol ausgab. Es hätte locker für einen neuen Wagen der gehobenen Mittelklasse oder ein hübsches Gartenhäuschen gereicht. Wenn ich der AA-Gemeinschaft denselben Gegenwert in Geld zukommen lassen möchte, dann stehe ich noch ziemlich im Minus, obwohl ich regelmäßig und nicht nur einen Euro nach dem Meeting in den Hut werfe.

Was mir AA wert ist, bemisst sich auch in dem Geld, das ich der Gemeinschaft spende. Wenn ich die alljährlichen Finanzberichte des GDA (Gemeinsamer Dienstausschuss) oder meiner IG (Intergruppe) lese, gewinne ich den Eindruck, dass das Bewusstsein dafür unzureichend ausgebildet ist. Sonst hätte die AA-Gemeinschaft nicht solche Finanzprobleme. Die Siebte Tradition erfreut sich scheinbar keiner großen Beliebtheit. Das ist indes kein Schicksal, sondern es hängt von einer und einem jeden von uns ab, das Empfinden für die Wichtigkeit der Siebten Tradition zu schärfen und entsprechend zu handeln.

Das Wertvollste, über das ich verfüge, ist jedoch meine Zeit. Es ist jenes kostbare Geschenk der Frist von 24 Stunden, wovon unsere AA-Literatur immer wieder spricht. Wenn ich von den 24 Stunden eines jeden Tages die Stunden abziehe, die ich für den Schlaf, die Sicherung meiner Existenz durch Arbeit, Einkäufe, Kochen, Spülen, Putzen, Rechnungen begleichen und andere Notwendigkeiten brauche, sodann die Zeit für meine Familie, dann bleiben mir nur wenige Stunden, nach meiner Berechnung und in meinem Fall etwa dreieinhalb pro Tag, über die ich frei verfügen kann. Wieviel davon verwende ich für AA, für Meetings, Telefonate mit AA-Freundinnen und -Freunden, Arbeit im Zwölften Schritt, Übernahme von AA-Diensten und nicht zuletzt für Lektüre, Gebet und Meditation zur Erweiterung meiner AA-Spiritualität? Wenn es hochkommt, sind es bei mir etwa 30 Prozent dieser täglichen freien Zeit. Etwa ein Drittel meines Gehaltes gebe ich für meine Wohnung aus. Mein Leben in der AA-Gemeinschaft ist mir an Zeit somit genauso viel wert wie der Preis, den ich für meine Wohnung bezahle. Die AA ist mein spirituelles Zuhause und will genauso wie meine Wohnung von mir gepflegt werden. Wieviel Energie ich dafür aufwende, beantwortet die Frage, was mir AA wert ist.

Es ist noch nicht die ganze Antwort. Zum Schluss meines Beitrages möchte ich die Freude mit euch allen teilen, die sich aus meinem letzten Umrechnungsverfahren ergab. Da ich das Datum meiner Kapitulation vor dem Alkohol genau kenne und mein Leben von meiner Geburt an bis zu diesem Zeitpunkt als „nasse Zeit“ bewerte, weiß ich, wie lange diese Zeit in Tagen, einschließlich der acht Schalttage in jener Epoche meines Lebens, gedauert hat. Mit meiner Kapitulation erlebte ich das „spirituelle Erwachen“, meine Neugeburt. Meine Berechnungen ergaben, dass ich am 23. März dieses Jahres genauso viele trockene Tage in meinem neuen Leben hinter mich gebracht habe wie zuvor im alten Leben nasse. Erstaunlicherweise fällt dieses Datum mit dem ersten Geburtstag meiner Enkelin zusammen. Die Freude, sie als trockener Opa mit dem Schatz der AA-Spiritualität ins Leben begleiten zu dürfen, gehört zu jenen Gütern meines Lebens, deren Wert ich nicht in einen Preis umrechnen kann.

Eberhard, Bad Breisig

 

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