AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

DACH Cover 19 09

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Lebensfreude"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom September 2019.

Als Leseprobe haben wir für Sie einen Artikel zum diesem Monatsthema ausgewählt:

 

Freude, schöner Götterfunken, …“

Funken? Also, ein Götterfunken reicht mir, Ingrid, fröhlich genesende Alkoholikerin, nicht! Ich brauche mehr! Ich brauche immer mehr! Ich brauche einen Funkenregen, eine sprühende Feuersbrunst, ein knisterndes Riesenfeuer – und alles muss leuchten, glühen und funkeln!

Ungläubigkeit

Eines Montags war ich unfreiwillig und ohne Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören, in meinem ersten Meeting. Ich wollte wohl nicht trocken werden, aber ich wollte die Heiterkeit, die Fröhlichkeit der Freunde im Meeting auch haben! Beim Heimkommen entsorgte ich die Bar meines Bruders, in dessen Wohnung ich mich damals durchschlug, nach Weißglas und Buntglas und startete in die scheinbar längste Nacht meines Lebens. Von da an musste ich nicht mehr trinken. Ich konnte es einfach nicht glauben! Jahrelang hatte ich versucht, den Alkohol zu besiegen und war täglich gescheitert! Die nächsten beiden Jahre zählte ich die Tage der Trockenheit, weil ich einfach nicht fassen konnte, dass ich schon über 700 Tage trocken war! Bis heute kann ich nicht verstehen, wie das funktioniert hat – ich halte es immer noch für ein Wunder, ich bin nämlich das Wunder: Alkoholikerin und weiterhin trocken – und fröhlich noch dazu!!!

Euphorie

Schon beim Zählen der Tage hatte eine Euphorie von mir Besitz ergriffen – ich war überglücklich, trocken sein zu können! Jeden Tag in der Früh bat ich um einen trockenen Tag, jeden Abend hätte ich am liebsten laut „Juhu!“ geschrien, vor lauter Freude, dass ich heute das erste Glas hatte stehen lassen können. Natürlich gab es auch nicht so freudvolle Stunden, aber irgendwie hatte es sich in mir festgebrannt, dass nichts und niemand es wert sein würde, wieder zu trinken! Meinem immer stärker werdenden Zorn rückte ich durch Radfahren zu Leibe. Das half zwar der Wut wenig, förderte aber meine gute Figur! Mir hatte meine Gruppe eindeutig bewiesen, dass auch ein trockenes Leben fröhlich und aufregend sein kann. Und so war es auch!

Rosarote Wolke

Meine Wolke hielt ziemlich lange an! Ich „schwebte“ trocken und glücklich durch mein Leben, ich war heilfroh, dass dieser tödliche Zyklus des täglichen hemmungslosen Trinken-Müssens unterbrochen worden war. Und eines wusste ich ganz sicher: Ich hatte dazu das Wenigste beigetragen!!! Ich brauchte aber auch nicht zu analysieren, warum und wieso das geklappt hatte, Hauptsache ich war trocken! In den Meetings hieß es immer wieder: „Es wird besser!“ Das traf zu! Mein Leben war ein ganz anderes, ein neues geworden!

Nach dreieinhalb Jahren meiner Trockenheit starb mein Vater, zu der Zeit auch lange trocken. Gott sei Dank konnte ich mich mit ihm noch aussprechen. Für ihn war es wohl das Schlimmste, mir zuzuschauen, wie ich mich zu Tode trinken wollte, meine Mutter konnte ja sowieso nichts verstehen. Mein Vater hatte teures Geld bei einem Primar im Heeresspital bezahlt, der zu der Zeit ausnahmslos Männer als alkoholkranke Patienten annahm. Er hatte mit ihnen eine „trockene Männerrunde“ gegründet, die sich jeden Freitag in einem Wirtshaus traf. Er wollte den Männern beweisen, dass man in einem Gasthaus trocken Karten, Billard, Tarock spielen, Preisschnapsen, … konnte. Zu den Feiertagen waren auch die Frauen eingeladen. Als mein Vater starb, lud meine Mutter diese Männer der „trockenen Tafelrunde“ zum Begräbnis und dann zum Leichenschmaus ein. Nachdem ich ihresgleichen war, beschloss ich, mich mit ihnen zu unterhalten. „Ich bin Ingrid, die Tochter von Egon und auch Alkoholikerin!“, so stellte ich mich vor. Und da waren auch schon ihre Erfahrungen: „Ich habe schon 17 Jahre lang kein kühles Bier mehr getrunken!“ „Ich habe auch schon jahrelang keinen Whisky mit Eiswürfel gehabt.“ „Ich trinke schon über 17 Jahre keinen Schluck Rotwein mehr!“ „Ich entsage dem Alkohol schon länger als 23 Jahre!“ ….. Ihre Mundwinkel hingen immer weiter nach unten, ich spürte eine Welle der Depression über mich hinwegschwappen und schlagartig begriff ich, dass die alle trocken waren wie die Wüste Gobi (leeres Glas, nicht mal halb leer!) und ich hatte Freude an meiner Trockenheit, Freundinnen und Freunden in AA und einem wirkungsvollen Programm (volles Glas, nicht nur halbvoll!)! Die lebten in der Entsagung und ich in der Fülle! Das macht schon einen Unterschied!!!

Dankbarkeit

Zu Beginn schrieb ich eine Dankbarkeitsliste, weil die Freundinnen und Freunde mir sagten, ich könnte dadurch eher eine Höhere Macht finden. Inzwischen habe ich nicht nur meine Höhere Kraft gefunden, sondern mein Leben ist so mit Dankbarkeit durchwachsen, dass es keine Liste mehr braucht! Selbst in den schrecklichen Stunden und Minuten verschwindet sie nie ganz – kann ich doch inzwischen so vieles trocken, oft mit nüchternen Gefühlen durchleben. Für die Lernschritte, die wehtun, bin ich nicht sehr dankbar, kann aber im Nachhinein doch feststellen, dass es in Ordnung war. Mir fällt da immer ein: „Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende!“ Meist kann mich das trösten und mir beim Durchhalten helfen.

Freude

Über die Jahre wurde wohl aus Euphorie Dankbarkeit und schließlich Freude! Das konnte für mich nur funktionieren, weil ich viel Zeit mit AA-Freundinnen und -Freunden verbracht habe, weil ich versuche, im Programm zu bleiben, weil ich mit Begeisterung Dienste annehme und mache, weil AA wirklich meine funktionierende Basis ist! Das Beispiel vom Boot, in dem wir alle sitzen, hilft mir dabei, in der Liebe, im Wohlwollen, in der Toleranz zu bleiben! „Für jeden von uns ist es eine überwältigende Tatsache, dass wir eine Lösung gefunden haben. Wir haben einen Weg gefunden, über den wir uns völlig einig sind und auf dem wir brüderlich vereint und in voller Harmonie weitergehen.“ Wie auf Seite 21 im Blauen Buch ist es für mich ganz wichtig, in der Lösung zu leben, ich brauche keine Probleme mehr zu wälzen und/oder in der Vergangenheit herumzugraben. Heute noch bin ich den Freundinnen und Freunden in meinem ursprünglichen Meeting zu großem Dank verpflichtet: Sie haben mir die Lebensfreude, die Fröhlichkeit, das gute Gefühl der Zufriedenheit vermittelt. Das hat mich auf die Seite des Lebens gezogen und zu meinem Trockenwerden ausschlaggebend beigetragen! Wären sie missmutig trocken dort gesessen, ich müsste heute noch trinken! Also, ihr Freundinnen und Freunde am Schüttauplatz in Wien, DANKE für eure Lebensfreude, die ihr auch heute noch versprüht!

Ingrid, Wien

 

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