AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

DACH Cover 19 01

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Mein letzer und auch mein erster Tag?"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom Jänner 2019.

Als Leseprobe haben wir für Sie einen Artikel zum diesem Monatsthema ausgewählt:

 

….und nun lag ich wieder im Krankenhaus, besiegt vom König Alkohol. Es war das 8. Mal. Ich war ein menschliches Wrack geworden.

Ich war zu einem Menschen geworden, der von allen gemieden wurde, den seine Frau verlassen wollte, mit dem seine Mutter, seine Brüder nicht mehr sprechen wollten, der in der Gesellschaft, die er so liebte, überhaupt nicht mehr registriert wurde und der wohl auch noch seinen Arbeitsplatz verlieren würde.

Die Einsamkeit war nun mein stiller Begleiter und ich weiß heute noch, wie schmerzhaft es ist, sich so verlassen zu fühlen.

Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung stellten sich ein und ich spürte urplötzlich, wie mein Leben in meinen Händen zerrann und ich dagegen nichts mehr unternehmen konnte.

Epileptische Anfälle, Wahnvorstellungen, katastrophale Blut- und Leberwerte hatten nicht verhindern können, dass ich nach jedem Krankenhausaufenthalt gleich in die nächste Bar gegangen war, um mir wieder ein Gläschen Rotwein zu bestellen, in der Hoffnung, endlich ihn, den Alkohol, in den Griff zu bekommen und wieder so trinken zu können wie früher, genüsslich nämlich und kontrolliert.

Ein unmögliches Unterfangen, denn das Resultat war immer dasselbe: Ich landete unweigerlich immer wieder, wie auch jetzt, im Krankenhaus!

Ich hatte keine Lösung gefunden, um den Dämon Alkohol in den Griff zu bekommen, im Gegenteil – er war es nun, der mich in seinen Besitz genommen hatte und dies nicht nur körperlich, nein, vor allem auch geistig und seelisch. 

Meine Angstzustände verfolgten mich Tag und Nacht, Hass und Wut wechselten sich ab und meine Minderwertigkeitskomplexe und Schuldgefühle, die ich vor allem anderen Menschen gegenüber durchlebte, zerfraßen mich.

Ich war in eine andere Welt katapultiert worden, in der ich vor Selbstmitleid zerfloss und aus der es anscheinend kein Entrinnen mehr gab.

Eine Frage zerfraß mich aber besonders: WARUM? Warum musste das mit mir geschehen? Was hatte ich verbrochen, dass ich so bestraft wurde?

Warum musste ich schon mit meinen jungen Jahren, ich war erst 34, um mein Leben kämpfen, wissend, dass ich diesen Kampf verlor?

Wer konnte mir helfen?

Ich hatte alles versucht: Ärzte, Psychiater und Psychologen, ja sogar mit Geistlichen hatte ich Kontakt aufgenommen! Niemand schien mir helfen zu können. Wahrscheinlich lag es wohl daran, dass ich nicht bereit war, von meinem hohen Ross herabzusteigen, meinen Stolz zu überwinden und diese Hilfen anzunehmen.

Von meinem Bette aus starrte ich auf eine Wand. Ein Kruzifix hing dort.

Konnte ER es sein, der mir helfen konnte? Mir? Warum? Ich hatte schon seit Jahren IHN und alles, was damit zusammenhing, gemieden! Jetzt, da es mir schlecht ging, sollte ich IHN um Hilfe bitten, jetzt ... – warum denn nicht früher? Und beten und glauben und … – ich hatte nicht den Mut dazu.

Ich wurde wieder entlassen und meine ersten Wege führte mich wiederum in eine Bar. Nun stand ich dort und kämpfte mit mir und mit dem König Alkohol.

Ein Glas Wein und noch ein zweites. Konnte ich jetzt aufhören? Nein!! Ein drittes und ein viertes folgten. Und dann bestellte ich noch ein fünftes Glas. Ich wollte es trinken. Wirre Gedanken durchzuckten meinen Kopf:

Jetzt fünf, dann zehn, dann mehr, dann Krankenhaus und dann … vielleicht der Tod. Immer das Gleiche!!!!!

Und dann geschah urplötzlich etwas, was ich mir bis heute nicht erklären kann. Ich stellte das 5. Glas nieder. Das Trinken schien mir plötzlich gleich schlimm zu sein wie das Nicht-Trinken; plötzlich war ich bereit, Hilfe anzunehmen, ganz gleich, wie immer sie auch aussah. Ich kapitulierte, vor mir, von meinen Vorstellungen und vor dem Alkohol. Ich war kein Sieger mehr!

Auf wunderlichen Umwegen kam ich dann zu den Anonymen Alkoholikern und fand dort den Weg, der für mich begehbar war.

Seit damals ist viel Zeit vergangen, viele 24 Stunden sind verflossen, ich glaube, es sind 15.706 Tage, ohne dass ich nochmals ein Glas Alkohol getrunken hätte, bei keinem Fest nicht und auch bei keinem Ärger. Mit Hilfe der AA und vor allem mit Hilfe meiner Höheren Macht, Gott, so wie ich ihn verstehe, gelingt es mir, den heutigen Tag bewusst zu leben.

Ich wurde zwar kein Heiliger, doch ich habe gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

Meine oft brennenden Sehnsüchte nach Liebe und Harmonie, meine Sehnsüchte, angenommen zu werden und nach Vollkommenheit und vor allem meine Sehnsucht nach Ganzheit, die sind immer noch vorhanden, doch ich habe gelernt, damit umzugehen und dies vor allem dank dem Gebet, das mir in allen Lebenslagen eine wahre Hilfe ist:

Gott

gebe mir die Gelassenheit,

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und

die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.  

Mein Name ist Wolfi und ich bin Alkoholiker.

 

… und wenn Sie wissen wollen, wie es dem Verfasser weiter ergangen ist, dann abonnieren Sie doch einfach diese Zeitschrift!

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